Kleingartenhilfe

ehem. BLW-Gartenfachberaterseite

„Verbotene“ Pflanzen

Jan-13-2012 By Dobberke


In unserer derzeit gültigen Gartenordnung wird unter §2 allgemein das Anpflanzen hochstämmiger Waldbäume, Weiden, Pappeln und höherer Zierpflanzen verboten. Auch Gehölze und Bäume, die nach ihrer natürlichen Entwicklung eine Größe von 6 m Höhe oder 4 m Breite erreichen können, dürfen nicht gepflanzt werden.

In der alten Gartenordnung wurden explizit einzelne Sorten aufgelistet, deren Anpflanzung (ohne Erklärung) verboten waren, wie beispielsweise der Hasel (Corylus avellana). Dieser und andere verbotene Pflanzen werden heute nicht mehr aufgeführt. Der Holunder (Sambucus nigra) wurde früher, da er hauptsächlich als Ziergehölz angesehen wurde, wegen seines starken Wuchses nicht als kleingartengerecht angesehen. Als Wildobstart ist der Holunder allerdings durchaus sehr wertvoll (siehe Artikel im Eisenbahn Landwirt Heft 2 – Februar 2011). Da sich bereits am diesjährigen Holz Blütendolden bilden, kann auch jeweils im Herbst kräftig zurückgeschnitten werden, sodass die Höhe weniger problematisch wird. Es ist unlogisch Hasel und Holunder, trotz ihres Nutzwertes, einseitig zu benachteiligen, andere Pflanzen, die wegen ihrer möglichen Wuchshöhe viel weniger kleingartengerecht sind, großzügig zu dulden. Hier drei Beispiele von Gehölzen mit ihrer jeweils durchschnittlichen Maximalhöhe, die meistens in unseren Kleingärten unbeanstandet bleiben und auch einen Pächterwechsel „überleben“:

Lebensbaum (Thuja occidentalis) bis 20 m – das Schnittgut ist schwer kompostierbar

Korkenzieher-Weide (Salix matsudana `Tortuosa`) 4-10 m – nach einigen Jahren fällt sehr viel Schnittgut an

Stechpalme (Ilex aquifolium) 10-15 m – Beeren stark giftig

Manche Pflanzen sind aus anderen Gründen für einen Kleingarten nicht empfehlenswert. Sie sind oft Wirtpflanzen von Schädlingen, sind besonders krankheitsanfällig oder haben andere unerwünschte Eigenschaften. Ihre Anpflanzung ist nicht direkt verboten aber machen dem Gärtner oder seinem Nachbarn das Leben schwer, wie der Japanischer Staudenknöterich (Fallopia japonica) mit seinen horizontalen Rhizomen („Kriechsprosse“). Bei einigen Pflanzen wird von einer Anpflanzung abgeraten, da sie als mögliche Wirtspflanze für einen Schaderreger dienen könnten, z.B. Feuerdorn, Zierquitten, Zwergmispel, Weiß- und Rotdorn beim Feuerbrand. Allerdings sind viele Apfel-, Birnen- und Quittensorten nicht weniger anfällig für diese meldepflichtige Krankheit. D.h. manche Pflanzen sind unerwünscht, nicht weil sie Hauptwirtspflanze für einen Schaderreger sind, sondern weil sie ebenfalls betroffen sein könnten, wie die Rote Heckenkirsche (Lonicera xylosteum), die wie die Süßkirsche von der Kirschfruchtfliege befallen werden kann. Sehr abzuraten ist von der Anpflanzung und Erhaltung vieler Wacholderarten, der Hauptwirtspflanze des Birnengitterrostes. Leider werden die Sporen sehr weit übertragen, sodass eine von betroffenen Wachholderarten (siehe Merkblatt des Pflanzenschutzamtes) freie Kleingartenkolonie trotzdem mit dem Auftreten dieses Rostpilzes rechnen muss. Durch den Verzicht auf diese Gehölze wird nicht nur der mögliche Befallsdruck durch den jeweiligen Schaderreger reduziert, sondern auch der Eindruck eines Zier- oder Freizeitgartens vermieden.

Fazit: Statt eines Verbotes sprechen wir eher von einer Empfehlung bestimmte Gehölze lieber nicht zu pflanzen. Generell sollten immer Sorten gewählt werden, die gegen Schaderreger resistent oder wenigstens weniger anfällig sind und die Wuchshöhe nicht problematisch werden könnte. Es sollte möglichst nicht zu dicht gepflanzt, die Höhe der einzelnen Gehölze der Größe des jeweiligen Kleingartens ständig angepasst und damit auch Rücksicht auf den Nachbarn genommen werden.

Bundesnaturschutzgesetz

Jan-13-2012 By Dobberke

 

§ 39 Allgemeiner Schutz wild lebender Tiere und Pflanzen

(5) 2. Bäume, die außerhalb des Waldes, von Kurzumtriebsplantagen oder gärtnerisch genutzten Grundflächen stehen, Hecken, lebende Zäune, Gebüsche und andere Gehölze in der Zeit vom 1. März bis zum 30. September abzuschneiden oder auf den Stock zu setzen; zulässig sind schonende Form- und Pflegeschnitte zur Beseitigung des Zuwachses der Pflanzen oder zur Gesunderhaltung von Bäumen

Erlaubt ist damit:

  • der Formschnitt von Hecken (Unterhaltungsschnitt) zur Beseitigung des Pflanzenzuwachses. Dabei ist auf jeden Fall sicherzustellen, dass die Hecke als Brut- und Lebensraum für die Vogelwelt während der Schutzfrist  (in der Regel April bis Mai) erhalten bleibt. Befinden  sich in der Hecke noch belegte Nester, muß der Schnitt verschoben werden.
  • der Sommerschnitt von Obstbäumen oder der schonende Schnitt von Bäumen zur  Gesunderhaltung,
  • der  Schnitt von Gehölzen im Rahmen der Verkehrssicherungspflicht (auch hier: Brutvogelschutz  beachten).